Interview mit Markus Brechbühl

- Markus Brechbühl, Geschäftsführer
vom 11. April 2008 anlässlich seines 20-jährigen Jubiläums in der Veriduna Treuhand
Am 1. April 1988 startete der damals erst 19-jährige Markus Brechbühl seine Laufbahn in der Veriduna Treuhand. Die Entscheidung in den väterlichen Betrieb einzusteigen, fällte er äusserst spontan. Seit 1998 leitet er die Veriduna Treuhand erfolgreich in der 2. Generation.
Dein Lebenslauf vermittelt den Eindruck, als hättest du seit je her ein Ziel verfolgt: die Geschäftsführung der Veriduna.
Der Einstieg bei meinem Vater war ein eher spontaner Entscheid. Nach der KV-Lehre arbeitete ich ein Jahr lang auf einer Genfer Bank. Dann stritt ich mit meinem damaligen Vorgesetzten, weshalb ich innert kürzester Zeit eine neue Tätigkeit finden wollte. So fragte ich meinen Vater, ob ich in einer Woche bei ihm anfangen könne. Etwas erstaunt, leitete er sofort alles für meinen Eintritt in die Wege.
Was gefällt dir besonders und was weniger gut daran, Geschäftsführer zu sein?
Ich kann selber entscheiden, tun und lassen, wie ich will. Läuft es allerdings einmal nicht, wie es sollte, bin immer ich dafür verantwortlich. Auch kann ich mich nie einfach zurücklehnen und ausruhen.
Was macht deiner Ansicht nach einen guten Chef und erfolgreichen Unternehmer aus?
Ein guter Chef sollte nicht nur das tun, was alle «lässig» finden, sondern, was dem Unternehmen am meisten bringt. Erfolgreiche Unternehmer können zwischen Wichtigem und weniger Wichtigem unterscheiden. Sie behalten stets den Überblick und verlieren sich nicht im Detail.
Was macht gute Mitarbeitende aus?
Sie identifizieren sich mit ihrer Arbeit. Sie macht ihnen Spass. Mitarbeitende, die nur «Dienst nach Vorschrift» leisten, ihre Zeit absitzen und auf den Feierabend warten mit der lähmenden Einstellung 'Hauptsache, ich kriege am Monatsende meinen Lohn', kann ich nicht brauchen.
Was war deine Vision als du 1998 Veriduna übernommen hast?
Ich sah den Treuhänder als Generalunternehmer fürs Rechnungswesen: weg vom reinen Belegbuchen hin zum partnerschaftlichen, verantwortungsbewussten Mitunternehmer. Der Kunde sollte sich betreffend Rechnungswesen um nichts mehr kümmern müssen.
Konntest du diese Vision umsetzen?
Wir sind auf dem richtigen Weg. Noch gilt es Strukturen zu festigen und Abläufe zu standardisieren.
Wo steht Veriduna in zehn Jahren?
Wir werden nach vorgegebenen, klar definierten Abläufen unsere Arbeit verrichten. Veriduna Kundenberater betreuen ihre Kunden unternehmerisch denkend, kompetent und stets verantwortungsbewusst.
Wie hat sich in den vergangenen 20 Jahren die Treuhandbranche verändert?
Früher bestand unsere Tätigkeit vorwiegend darin, Belege zu erfassen und Abschlüsse zu erstellen. Heute sehen uns viele unserer Kunden schon fast als Mitunternehmer. Wir nehmen den Kunden Verantwortung ab, entscheiden teilweise sogar für sie. Die Kundenbindung hat sich dadurch vertieft.
Wie sieht unsere Branche in zehn Jahren aus?
Die eben geschilderte Kundenbindung wird sich fortsetzen und auf weitere Aufgaben ausdehnen. Der Kunde will sich immer weniger mit Einzelheiten aufhalten und sucht unternehmerisch denkende Partner. Sind es heute oftmals noch Teilbereiche, die ausgelagert werden, übertragen uns die Kunden immer mehr Verantwortung.
Ist Veriduna diesen Anforderungen gewachsen?
Ja, wir sind gewappnet. Für viele Kunden übernehmen wir heute schon einen grossen Teil ihrer finanziellen Aufgaben. Wir haben die nötige Erfahrung darin.
Auch technisch sind wir auf den richtigen Weg. Veriduna-online, die online Buchhaltung, welche wir schon seit über fünf Jahren einsetzen, ist die technische Voraussetzung für die hohen Anforderungen der Zukunft. Auch andere Treuhänder und Softwarehersteller haben dies erkannt und bieten neuerdings ähnliche Lösungen an. Diese stecken allerdings noch in den Kinderschuhen, weil die Erfahrung fehlt.
Die Nachfolgeregelung ist eine grosse Herausforderung. Was kannst du diesbezüglich raten? Du und dein Vater, ihr habt diesen Wechsel ja erfolgreich gemeistert.
Ja, das eigene Geschäft einem Nachfolger zu übergeben, ist eine höchst emotionale, wirklich schwierige Angelegenheit. Sie will gut und frühzeitig vorbereitet sein. Fünf bis zehn Jahre vor der Pensionierung sollte die Nachfolgeregelung angegangen werden.
Auch wenn es ihm schwer fällt, der Patron muss los lassen können. Die Übergabe selbst erfolgt in verschiedenen Phasen. Anfangs meinen die Jungen, sie wissen und können alles besser. Danach folgt eine Phase der Gewöhnung und der Kompromisse. Schlussendlich übernehmen die Jungen vollends und holen sich bei den Älteren nur noch dann Rat, wenn etwas nach Erfahrung und Reife verlangt.
Gibt es eine besonders erwähnenswerte Anekdote aus den vergangenen Jahren?
Ich arbeitete gerade mal ein halbes Jahr im Geschäft. Auch mein älterer Bruder war damals noch mit von der Partie. Während ich in der RS war, erhielt mein Bruder von unserem Vater den Auftrag, verjährte Belege zu beseitigen. Er übertrug diesen Job meinem jüngeren Bruder, der damals noch in die Schule ging. Dieser machte sich also fleissig an die Arbeit und verriss emsig Beleg um Beleg. Irgendwann sagte er zum älteren Bruder: «Du, diese Belege sind ja gar nicht alt. Die sind vom letzten Jahr». Worauf er nur die lapidare Antwort erhielt, er könne wohl nicht rechnen. Als der ältere Bruder etwas später doch noch nach schaute, musste er feststellen, dass in der Tat der jüngere Bruder nachdem er fertig war, einfach den nächsten Ordner genommen und Belege einer aktuellen Buchhaltung vernichtet hatte. Tags darauf, an einem Samstag, fand man uns drei Belege zusammenklebend im Büro vor, während unsere Eltern uns an der an diesem Tag stattfindenden Chilbi wähnten.
Möchtest du dich zu einem bestimmten Thema äussern?
Ich freue mich darüber, dass die Unternehmenssteuerreform II am 24. Februar 2008 angenommen wurde. Die abgeschwächte Dividendenbesteuerung ist eine vernünftige Lösung, erfolgreiche Unternehmen steuerlich zu entlasten.
Markus, was tust du, wenn du nicht am Arbeiten bist?
Ich treibe viel Sport. Zurzeit habe ich das Joggen für mich entdeckt und bereite mich auf den Züri-Marathon vor (*). Im Winter fahre ich gerne Ski und im Sommer tauche und surfe ich leidenschaftlich.
Was magst du?
Fleisch; Rennen; gute Freunde; optimistisch denkende Menschen; eine abgearbeitete E-Mail-Inbox; Sport.
Was magst du nicht?
Menschen, die nur nörgeln, bei denen alles negativ ist; Autofahrer, die mit 40 vor mir her kriechen, wenn ich es eilig habe; Rosenkohl; zu viel Papier; Interviews.
(*) Anmerkung: Markus hat am Zürich Marathon vom 20. April 2008 die 42.195 km unter vier Stunden bewältigt und will seine Zeit nächstes Jahr um mindestens 15 Minuten unterbieten.
